Das wahre Leben
Jetzt ist also einige Zeit vergangen und ich habe noch immer keinen zweiten Eintrag verfasst. Da sieht man es, die Schwierigkeiten, die einen erwarten. Dabei bin ich gar nicht völlig tatenlos gewesen: Ich habe mir ein Account auf Facebook zugelegt, und zwar noch keine Freunde, dafür aber eine Kategorie "Notizen" eröffnet, wo ich eine Buchempfehlung reingestellt habe. Schade, dass die keiner lesen kann.
Wie soll man so internetaffin werden? Das Problem liegt darin, dass ich morgens arbeite, mittags auf das Kind aufpasse und abends völlig bewegungsunfähig auf die Couch sinke und bloß noch ein Buch lesen will. Allein der Gedanke, meinen Laptop aus seinem Täschchen zu holen, den Stecker reinzustecken und den dann wieder in der Steckdose zu verankern, bereitet mir fast körperliche Mühen.
Also doch morgens schreiben, denn Internetaffinität ist ja nun Teil meines Jobs. Aber so geht es nicht weiter. Hat nicht jemand mal ein Rezept für übermüdete Mitmenschen?
Andererseits könnte man auch sagen, dass Blog schreiben genauso gut und mühelos ist wie Buch lesen, warum also nicht abends machen? Dazu fällt mir bloß ein, dass ich zum Glück keinen E-Book-Reader habe, den ich irgendwo einstecken muss ...
Nein, ganz ehrlich scheint das Problem woanders zu liegen, nämlich in der Frage: Wie viel Zeit bin ich bereit, in ein virtuelles Leben zu stecken?
Ich gehöre noch der Generation an, die als Kinder immer draußen gespielt hat, im Heu, im Wald, im Garten. Die sich solche Dinge wie arme Waisenkinder auf verlassener Insel ausgedacht hat. Die mit echten unsichtbaren Gewehren aufeinander geschossen hat, nicht mit unechten sichtbaren. Die an Baumhäusern aus echtem Holz gescheitert ist, weil sie es nicht auf den Baum raufgekriegt hat, und nicht an der nächsten Ebene. Fernsehen haben wir nur ein paar Mal in der Woche geguckt, so was wie "Ein Heim für Tiere", "Schwarzwaldklinik" oder "Puschel, das Eichhörnchen".
Als irgendwann Tetris aufkam, habe ich hin und wieder auch mal gespielt, aber wenn ich es dann nach einigen Stunden (wie doch manchmal die Zeit verfliegt!) weglegte, dann konnte ich nur noch in Tetrissteinen denken, und das stieß mich ab.
Das ist also mein Problem: Meine Eltern sind Schuld! Wie immer.
(Zwischenfazit: Leute, lasst eure Kinder ganz viel Fernseh gucken und Computer spielen! Sie werden es euch danken, wenn nicht langfristig, dann zumindest kurzfristig ... Außerdem seid ihr sowieso Schuld.)
Da ich ja nun meine Kindheit nicht wiederholen kann, muss ich wohl versuchen, meine Tetrismauer Stein um Stein wieder abzubauen, und damit meine natürliche Abneigung gegen ein Leben im Internet.
Mmh, kann ich den Beitrag so nun veröffentlichen? Ja. Wieder ein Stein geschafft ...
laguna.b am 29. Oktober 10
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